Frankreich – Der Gastgeber als Titelfavorit der EM?

Diejenigen, die alt genug sind, erinnern sich vielleicht noch an das Finale der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich.

Dort ebnete Zinédine Zidane seiner Mannschaft mit zwei Kopfballtoren den Weg zum klaren 3:0 gegen das Team aus Brasilien; die französische Nationalmannschaft wurde zum ersten und bisher letzten Mal Weltmeister. Frankreich musste sogar die letzten 20 Minuten in Unterzahl spielen, schaffte es aber dennoch, den damaligen amtierenden Weltmeister zu bezwingen.

Gekrönt wurde die Weltmeisterschaft zwei Jahre später mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2000 in Belgien bzw. den Niederlanden. Seit diesen grandiosen Erfolgen blieben die Franzosen jedoch hinter den Erwartungen zurück, was internationale Turniere betrifft. In der Fifa-Rangliste belegen sie nur noch Platz 17 (zum Vergleich: Deutschland belegt momentan Rang 4). So war 2014 gegen die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale Endstation; Deutschland wurde danach Weltmeister.

Frankreich als Favorit in die EM

Frankreich 2016Große Hoffnungen ruhen daher auf den Les Bleus, dieses Jahr im eigenen Land den EM-Titel zu erlangen. Die Quoten der Buchmacher sehen tatsächlich Frankreich neben Spanien als größten Rivalen für Deutschland.Die Franzosen haben mit Rumänien, Albanien und der Schweiz eine relativ leichte Gruppe erwischt. Die Schweiz und Frankreich werden allem Anschein nachdie ersten beiden Plätze unter sich ausmachen. Doch jede Europameisterschaft ist für Überraschungen gut (wer erinnert sich nicht an den Überraschungs-Meister Griechenland 2004?). Im Eröffnungsspiel gegen Rumänien muss daher auf jeden Fall ein Sieg her, damit es nicht schon in der Gruppenphase eng wird für das Team von Didier Deschamps.

Ein wichtiger Faktor für die Mannschaft wird der “12. Mann”, sprich das Publikum sein. Bei der EURO 1984 holte man vor heimischer Kulisse den Titel, und auch, wie erwähnt, bei der WM 1998.

Die Vorbereitungen verliefen zur Zufriedenheit der Franzosen. In Metz gab es im Testspiel gegen Schottland ein souveränes 3:0. Das Trainingslager bestritt die Mannschaft zuvor in Neustift im Stubaital in Österreich. Das Medieninteresse war riesig. So hatten sich 20 Fernsehstationen und 200 Journalisten angemeldet, um über die Vorbereitung zu berichten. Im Alpenstadion, in dem die Franzosen trainieren, wurde daher vorsichtshalber einzwei Meter hoher Sichtschutz aufgestellt, der vor neugierigen Blicken schützen sollte. Der Trainer sieht in dem Ort die perfekten Bedingungen für eine optimale Vorbereitung. 2008 hatte sich dort auch der spätere Europameister Spanien vorbereitet. Der Rasen des Trainingsplatzes wurde gar von einem Expertenteam gepflegt, um den höchsten internationalen Standards zu genügen.

Verletzungen, Verweisungen und Rücktritte

Nur die internen Streitigkeiten der Mannschaft trüben die Vorbereitung ein wenig. So wurde Karim Benzema aus moralischen Gründen der Mannschaft verwiesen. Er ist in eine Erpressungsaffäre verwickelt; der Spieler hatte im Gegenzug dem Trainer Rassismus vorgeworfen (Benzema besitzt algerische Wurzeln). Der Ersatzmann, Olivier Giroud, hat es trotz einer guten bisherigen Torquote nicht leicht in der Mannschaft; im Spiel gegen Kamerun wurde er sogar ausgepfiffen. Der Star vom FC Bayern München, Franck Ribéry, wurde erst gar nicht für die Auswahl nominiert. Er war zwar von sich aus zunächst aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, hatte aber später einen Rücktritt vom Rücktritt angekündigt, den Trainer Deschamps jedoch ablehnte.Verletzungsbedingt müssen neben Lassana Diarra auch Mathieu Debuchy, Raphael Varane und Jeremy Mathieu ausfallen.

Unwahrscheinlich ist es zwar nicht, dass Frankreich endlich wieder einen Titel holt. Bis dahin wird es aber noch ein weiter und mühseliger Weg werden.

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